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Wissen

Welche Versicherungen braucht ihr wirklich?

Die meisten haben zu viele Versicherungen – und gleichzeitig die falschen. Ein ehrlicher Überblick, der nichts verkaufen will.

Die drei Kategorien

Diese Sortierung kennt ihr wahrscheinlich. Sie ist auch richtig. Aber die wirklichen Fehler passieren nicht bei der Frage, WELCHE Versicherungen ihr habt – sondern bei den Details INNERHALB der Verträge, die ihr schon habt.

Muss

  • Krankenversicherung
  • Privathaftpflicht
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Kfz-Haftpflicht (wenn Auto)

Kann sinnvoll sein

  • Hausratversicherung
  • Rechtsschutzversicherung
  • Risikolebensversicherung (wenn Familie/Immobilie)
  • Wohngebäudeversicherung (wenn Eigentum)

Braucht fast niemand

  • Handyversicherung
  • Reisegepäckversicherung
  • Sterbegeldversicherung
  • Glasversicherung
  • Brillenversicherung

Grundregel: Versichert das, was euch finanziell ruinieren könnte. Nicht das, was ärgerlich wäre. Ein kaputtes Handy ist ärgerlich. Berufsunfähigkeit ist existenzbedrohend.

Der BU-Quick-Check

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist die wichtigste Absicherung neben der Krankenversicherung. Aber viele haben eine BU, die längst nicht mehr passt. Fünf Fragen, die ihr heute prüfen könnt:

Die BU-Rente sollte mindestens 75 % eures Nettoeinkommens abdecken. Weniger reicht in der Praxis selten – vor allem, wenn laufende Kosten wie Miete oder Kreditraten weiterlaufen. Schaut auf eure Police: Steht dort noch der Betrag, den ihr vor fünf oder zehn Jahren vereinbart habt? Euer Gehalt ist vermutlich gestiegen. Die BU-Rente nicht.

Ältere Verträge laufen oft nur bis 60 oder 63. Danach steht ihr ohne Schutz da – und bis zur Rente ist es noch weit. Ein Vertrag, der vor dem Rentenalter endet, ist im Ernstfall eine teure Lücke.

Mit einer Nachversicherungsgarantie könnt ihr die BU-Rente bei bestimmten Anlässen erhöhen – ohne erneute Gesundheitsprüfung. Typische Anlässe: Gehaltserhöhung, Heirat, Geburt eines Kindes, Immobilienkauf. Ohne diese Klausel sitzt ihr auf einem Vertrag, der nicht mitwächst.

Schlecht. Eine abstrakte Verweisung bedeutet: Der Versicherer kann euch auf einen anderen Beruf verweisen, den ihr theoretisch noch ausüben könntet – auch wenn es nicht euer Beruf ist. Ein Chirurg, der nicht mehr operieren kann, könnte auf eine Bürotätigkeit verwiesen werden. Gute Verträge verzichten auf abstrakte Verweisung.

Wenn die Antwort „noch nie“ oder „vor mehr als drei Jahren“ ist: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt. Euer Leben verändert sich – eure Absicherung sollte das auch tun.

Was ich in der Praxis sehe

Die fünf Fragen oben sind der Einstieg. Aber die wirklichen Probleme liegen tiefer. Hier drei Muster, die mir in 20 Jahren Beratung immer wieder begegnet sind:

1

Die Dynamik-Falle

Ein Mandant zahlte seit 12 Jahren eine BU mit jährlicher Dynamik. Die Prämie war von 80 € auf 165 € gestiegen. Die versicherte Rente? Von 1.500 € auf 1.900 €. Das Nettoeinkommen aber von 2.800 € auf 4.200 €. Die BU deckte nur noch 45 % statt der ursprünglichen 75 %. Er fühlte sich gut versichert. War er aber nicht.

2

Die Gesundheitsfragen-Falle

Eine Mandantin wollte ihre BU aufstocken. Bei den Gesundheitsfragen gab sie eine Physiotherapie-Behandlung nicht an – „war ja nur Rücken.“ Drei Jahre später wurde sie berufsunfähig. Der Versicherer prüfte, fand die Behandlung, und verweigerte die Leistung für den aufgestockten Teil. Vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung. 400 € mehr Rente pro Monat – weg.

3

Die „zu alt für eine neue BU“-Illusion

Viele denken ab 45: „Für eine neue BU bin ich zu alt.“ Stimmt teilweise – die Prämien sind höher. Aber: Wenn eure bestehende BU nur bis 60 läuft und 1.200 € versichert bei einem Einkommen von 5.000 €, ist eine teure neue BU trotzdem billiger als sieben Jahre ohne Schutz.

5 Warnsignale, dass eure Absicherung nicht mehr passt

Versicherungen sind kein „einmal abschließen und vergessen“-Thema. Euer Leben verändert sich – und damit auch euer Absicherungsbedarf. Hier sind fünf Momente, in denen ihr unbedingt prüfen solltet:

1

Gehaltssprung

Mehr Gehalt ist gut – aber eure BU-Rente ist vermutlich noch auf dem alten Stand. Die Lücke wächst mit jedem Euro, den ihr mehr verdient.

2

Kind geboren

Braucht ihr jetzt eine Risikolebensversicherung? Wenn ein Einkommen wegfällt, muss die Familie trotzdem leben können.

3

Immobilie gekauft

Wohngebäudeversicherung ist Pflicht. Aber habt ihr auch die Kreditrate abgesichert? Was passiert, wenn einer von euch berufsunfähig wird und die Rate weiterlaufen muss?

4

Jobwechsel

Manche BU-Verträge haben Klauseln, die bei einem Berufswechsel greifen. Prüft, ob euer neuer Beruf noch abgedeckt ist – besonders wenn ihr von Büro in Handwerk oder umgekehrt wechselt.

5

Heirat oder Trennung

Wer ist als begünstigte Person in eurer Lebensversicherung eingetragen? Nach einer Trennung steht dort oft noch der Ex-Partner. Nach einer Heirat fehlt oft der neue.

Effektivkosten verstehen

Wenn ihr eine Rentenversicherung, eine fondsgebundene Lebensversicherung oder einen Rürup-Vertrag habt, gibt es eine Zahl, die ihr kennen solltet: die Effektivkosten.

Wo findet ihr die Effektivkosten?

Im Produktinformationsblatt (PIB) eures Vertrags. Das habt ihr bei Abschluss bekommen – oder könnt es beim Anbieter anfordern. Die Effektivkosten stehen dort als Prozentzahl pro Jahr.

Was bedeuten sie?

Die Effektivkosten zeigen, wie viel Rendite euch der Vertrag jährlich kostet. Wenn euer Fonds 6 % Rendite erwirtschaftet und die Effektivkosten bei 2 % liegen, bleiben euch nur 4 %. Jahr für Jahr. Über 30 Jahre macht das einen gewaltigen Unterschied.

unter 1 %

Günstig

Guter Vertrag, weiter beobachten

1–1,5 %

Okay

Prüfen, ob es bessere Optionen gibt

über 2 %

Teuer

Der Vertrag arbeitet für den Anbieter, nicht für euch

Was 2 % Effektivkosten wirklich bedeuten – in Euro

Konkretes Beispiel: 50.000 € in einem Vertrag, 6 % Bruttorendite, 30 Jahre Laufzeit.

0,5 % Effektivkosten

Endwert ca. 257.000 €

2,0 % Effektivkosten

Endwert ca. 162.000 €

Differenz

95.000 €

Das ist der Preis, den ihr für den falschen Vertrag zahlt. Nicht als Rechnung auf eurem Tisch – sondern als Rendite, die still und leise fehlt.

Wann ihr einen teuren Vertrag TROTZDEM behalten solltet

1

Garantiezins über 2,5 % (Verträge vor 2004)

Diese Verträge sind Gold wert. Der garantierte Zins liegt über dem, was ihr heute am Markt bekommt. Hier lohnt es sich oft, NICHT zu kündigen – auch wenn die Effektivkosten hoch erscheinen.

2

Steuervorteile bei Altverträgen (vor 2005)

Erträge sind nach 12 Jahren steuerfrei. Das relativiert hohe Kosten erheblich.

Die Frage ist nie pauschal „kündigen oder behalten“. Die Frage ist: Was bringt der Vertrag nach Kosten und Steuern – im Vergleich zur Alternative?

Die 3 teuersten Versicherungsfehler, die ich in 20 Jahren gesehen habe

1

Unterversicherung bei der BU – und Überversicherung bei allem anderen

Der Klassiker: 300 € im Monat für Hausrat, Rechtsschutz, Brillenversicherung und Zahnzusatz. Aber die BU deckt nur 1.000 € ab. Das ist, als würdet ihr das Gartenhaus versichern, aber nicht das Wohnzimmer.

2

Versicherungsvermittler als Finanzberater verwechseln

Euer Versicherungsmakler verdient an jedem Vertrag, den er abschließt. Das macht ihn nicht böse – aber es macht ihn parteiisch. Ich habe Familien gesehen, die 7 verschiedene Versicherungen bei 4 verschiedenen Gesellschaften hatten – aber keinen Überblick, ob das Gesamtbild stimmt.

3

Versicherungen als Geldanlage nutzen

Kapitalbildende Lebensversicherungen, fondsgebundene Rentenversicherungen mit 3 % Effektivkosten, Garantieprodukte mit 0,25 % Garantiezins – all das sind Versicherungsprodukte, die vorgeben, Geldanlage zu sein. In den meisten Fällen wärt ihr mit einem simplen ETF-Sparplan und einer separaten Risikolebensversicherung besser gefahren.

Ehrliche Beratung ohne Hintergedanken

Versicherungen prüfen heißt nicht kündigen. Es heißt verstehen, was ihr habt – und ob es noch zu eurem Leben passt.