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Fallbeispiel – Vom Funktionieren zum Leben

Vom Funktionierenzum Leben

Wie Stefan lernte, sein Vermögen für sich arbeiten zu lassen, statt immer nur selbst zu arbeiten.

Fallbeispiel: Selbstständig und weniger arbeiten wollen

Ausgangssituation

Stefan ist Anfang 40, verheiratet mit Julia, Vater von drei Kindern und lebt in Stuttgart. Beruflich hat er sich über fast zwei Jahrzehnte eine beeindruckende Karriere aufgebaut – zunächst im Bankwesen, dann als selbstständiger Finanzberater mit Schwerpunkt auf vermögenden Familienunternehmen. Parallel dazu hat er gemeinsam mit Julia in Immobilien investiert und ein eigenes Beratungsunternehmen gegründet. Auf dem Papier sieht alles hervorragend aus: ein großzügiges Einkommen aus mehreren Quellen, ein sechsstelliges Gesamtvermögen, kluge Investments, ein professionelles Netzwerk.

Trotzdem kam Stefan zu mir. Er spürte, dass etwas nicht stimmte. Dass er zwar funktionierte, aber nicht wirklich lebte. Jedes seiner Standbeine brauchte Aufmerksamkeit, jede Verpflichtung Energie. Unter Kontrolle war alles, außer dem Leben selbst: Partnerschaft, Präsenz, Balance – genau dort fehlte der Raum.

„Ich bin grundsätzlich zufrieden. Aber wenn ich ehrlich bin, engagiere ich mich nicht so stark in der Beziehung, wie ich es eigentlich möchte.“

Er beschrieb ein Leben, das von beruflicher Verantwortung dominiert wurde: ein Hauptkunde, der ihn auch abends und am Wochenende gedanklich nicht losließ. Immobilienprojekte, die er eigentlich gemeinsam mit seiner Frau stemmen wollte, die aber zunehmend allein auf seinen Schultern lagen. Und eine innere Stimme, die ihm sagte, er solle sich mehr Raum für sich selbst nehmen – regelmäßig übertönt von der anderen: Du musst liefern.

Was Stefan suchte, war keine Produktberatung. Er wusste selbst genug über Finanzmärkte, Steuerstrukturen und Anlagestrategien – er beriet andere Menschen schließlich genau damit. Was ihm fehlte, war jemand, der ihm von außen den Spiegel vorhielt.

„Entspann dich, du darfst dich mal ganz auf dich selbst konzentrieren. Du musst nicht immer deine Kunden über dich selbst stellen.“

Was Lebensqualität für ihn bedeutet, war schnell gesagt: nicht das nächste Ferienhaus, nicht der größere Wagen. Reisen mit der Familie. Mehr Präsenz zu Hause. Irgendwann vielleicht regelmäßige Auszeiten. Und die Gewissheit, dass all das finanziell tragbar ist.

Lebenssituation verstehen

Bevor wir eine einzige Zahl anfassten, widmeten wir uns Stefan als Mensch. Im Lebensradar zeigte sich schnell ein klares Bild: Familie, Gesundheit, beruflicher Erfolg und Sinn standen alle auf hohem Niveau. Gehakt hat es woanders – bei der Partnerschaft, beim Grenzen setzen, beim Abschalten, beim eigenen Raum.

„Sei um sechs zu Hause“, hatte seine Frau irgendwann als Regel aufgestellt. Und wenn Stefan dann drei Minuten nach sechs kam: „Sei froh, dass ich die Schlösser noch nicht ausgetauscht habe.“ Hinter dem Humor steckte ein ernstes Thema. Er beschrieb, wie er abends noch Mails beantwortete, wenn die Kinder im Bett waren. Wie er im Urlaub doch zum Telefon griff.

In einer Rollenanalyse identifizierten wir über ein Dutzend Rollen, die Stefan ausfüllt: Family-Office-Manager, Berater, Unternehmer, Immobilieninvestor, Familienfinanzminister, Ehemann, Vater, Sportler, Freund. Jeder Rolle eine Bedeutung und einen Energiewert zuzuordnen, machte etwas sichtbar, das er vorher nur vage gespürt hatte: Die Nettoenergie ist nicht dort, wo der Fokus ist. Was am wichtigsten war, kostete am meisten – und bekam am wenigsten bewusste Aufmerksamkeit.

Wir arbeiteten auch mit dem Bild zweier innerer Stimmen: dem „Funktionierenden“, der sagt ich muss liefern, der andere verlässt sich auf mich – und dem „Selbstfürsorglichen“, der weiß, dass es so nicht ewig weitergeht. Stefan erkannte, dass der Selbstfürsorgliche zwar gelegentlich am Steuer saß, der Funktionierende ihm aber regelmäßig von hinten ins Lenkrad griff – ohne dass er ihm je wirklich Kontra gab.

Finanzplanung – das große Bild

Dann öffneten wir die Bücher: Einnahmen aus dem Beratungsgeschäft, Mieteinnahmen, Kapitalerträge, Beteiligungen, Kryptowährungen, Edelmetalle, Rentenansprüche, laufende Kredite und geplante Sanierungen. Ein komplexes Geflecht aus privaten und unternehmerischen Vermögenswerten, das wir gemeinsam in ein Finanzplanungstool überführten.

In der visuellen Finanzplanung haben wir jedes Jahr bis ins Alter durchgerechnet, mit zwei Prozent Inflation. Grüne und rote Balken zeigten auf einen Blick, in welchen Jahren Geld übrig ist und wo es knapp wird. Dazu haben wir eingeplant, was kommen kann: Wann studieren die Kinder, und was kostet das realistisch? Wann könnte ein Immobilienverkauf sinnvoll sein? Wie entwickelt sich der Vermögensstrom, wenn Stefan ab einem bestimmten Zeitpunkt weniger arbeitet?

Er hatte über Jahre das Gefühl, weiter Vollgas geben zu müssen, um den Lebensstandard seiner Familie zu sichern. Die Modellierung zeigte ein anderes Bild: Selbst wenn er seine berufliche Tätigkeit deutlich reduziert, reicht das vorhandene Vermögen – vernünftig angelegt und mit kühlem Kopf verwaltet – für einen sehr langen Zeitraum. Damit drehte sich die Frage: Aus „Habe ich genug?“ wurde „Was ist jetzt noch alles möglich?“

„Ich weiß eigentlich schon, dass ich es nicht mehr will. Aber ich will das mit Augenmaß angehen.“

Stefan, über seine Immobilien

Wir rechneten verschiedene Szenarien durch: Was passiert, wenn die Immobilien in den nächsten fünf bis zehn Jahren schrittweise verkauft werden und der Erlös in ein breit gestreutes Portfolio fließt? Was passiert bei höherer Inflation? Wie lange reicht das Vermögen, je nachdem, wie viel sie entnehmen? Die Analysen zeigten durchweg: Stefan hat deutlich mehr Spielraum, als er sich zugesteht.

Verstehen, wie man wirklich tickt

Stefan hatte bereits Erfahrung mit wissenschaftlich fundierten Risikoprofilen – er nutzt ähnliche Werkzeuge in seiner eigenen Praxis. Sein Ergebnis lag im 75. Perzentil, deutlich über dem Durchschnitt. Kein Wunder bei jemandem, der jahrelang kapitalmarktnah gearbeitet hat.

Doch ein Risikoprofil ist mehr als eine Zahl. Im Coaching vertieften wir, was diese hohe Risikobereitschaft konkret bedeutet – und wo sie an ihre Grenzen stößt. Stefan erzählte offen von einem Börsenereignis, bei dem selbst er als Profi Mühe hatte, einen ruhigen Kopf zu bewahren. Dazu kommt, dass seine Frau pragmatischer ist, bodenständiger, stärker im Hier und Jetzt verankert. Die Aufgabe war also: genug Wachstum für die langfristigen Ziele, genug Stabilität für ruhigen Schlaf – für beide.

„Wenn du dich von Gier und Angst treiben lässt, dann wird es halt schwierig.“

Eine Erkenntnis nahm ihm spürbar Anspannung: Seine beruflichen Fähigkeiten und sein Netzwerk sind selbst ein enormer Vermögenswert. Er kann Einnahmen jederzeit wieder hochfahren. Er muss also nicht alles auf einmal lösen.

Zukunft modellieren – gemeinsam mit Julia

Gemeinsam, und teilweise auch mit seiner Frau, gingen wir fast fünfzig mögliche Lebensereignisse der kommenden Jahre durch: Studium der Kinder, mögliche Erbschaften, der geplante Rückzug aus dem operativen Geschäft, Reisewünsche, Gesundheitsvorsorge und irgendwann auch die Pflege der Eltern.

Julia brachte dabei eine wichtige Perspektive ein. Sie war weniger an langfristigen Projektionen interessiert als daran, den heutigen Tag gut zu meistern. Sie nahm das Thema sehr ernst und verstand intuitiv, was Stefan erst lernen musste: Lebensqualität findet heute statt.

„Sie sagt immer: Erzähl mir keine Vision, sondern mach einfach.“

Dieser Satz wurde zum Leitmotiv der weiteren Zusammenarbeit. Weniger planen, mehr umsetzen. Weniger perfekt, mehr lebendig.

Struktur und Umsetzung

Die Vermögensstruktur bekam vier klare Aufgaben. Eine Liquiditätsreserve für laufende Ausgaben und Immobilien-Investitionen, sofort verfügbar und klar dimensioniert. Ein Kernportfolio als Rückgrat – breit gestreut, prognosefrei, kostengünstig. Eine zweckgebundene Zuordnung, damit jeder Euro eine Aufgabe hat: Tilgungsersatz, Studienfonds, langfristiger Aufbau. Und die schrittweise Überführung der Immobilien in pflegeleichtere Anlageformen – weniger Aufwand, gleiche Substanz.

„Ich will da nichts mehr haben, wo ich mich ständig drum kümmern muss.“

Ein wichtiges Thema war, wie Stefan mit den Schwankungen der Kapitalmärkte umgehen würde – gerade dann, wenn das Portfolio durch Immobilienverkäufe wächst. Wir sprachen offen darüber, dass Wissen und Gefühl zwei verschiedene Dinge sind. Dass selbst ein erfahrener Profi in einem Crash nicht immun gegen Angst ist. Und dass es leichter fällt, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn man nicht allein ist. Die laufende Begleitung war deswegen von Anfang an Teil der Vereinbarung, als Sparringspartnerschaft.

Das Ergebnis

Nach mehreren Monaten gemeinsamer Arbeit hat Stefan heute, was ihm vorher fehlte.

Das Vermögen reicht

Auch bei deutlich reduzierter Erwerbstätigkeit – belastbar durchgerechnet, mit mehreren Szenarien.

Der Rückzug hat einen Fahrplan

Schrittweise raus aus den energieintensivsten Verpflichtungen, mit klarem Zeitrahmen statt vagem Vorsatz.

Als Paar auf einer Linie

Julia und Stefan haben einen gemeinsamen Rahmen für finanzielle Entscheidungen – und eine Sprache dafür.

Dazu eine Struktur, die mit den Jahren weniger Aufmerksamkeit braucht statt mehr. Und die innere Erlaubnis, sich nicht immer hintenanzustellen – weil Lebensqualität im Hier und Jetzt stattfindet und nicht in einer Zukunft, auf die man hinspart.

Finanzplanung, wie ich sie verstehe, ist Lebensgestaltung: zuhören, Fragen stellen, den Spiegel vorhalten.

„Ich habe vielleicht nicht den einen großen Aha-Moment gehabt. Aber ich merke, dass sich meine Perspektive verschoben hat. Früher habe ich immer gedacht: Ich muss noch mehr machen. Heute denke ich öfter: Was will ich eigentlich wirklich?“

Stefan, nach Abschluss der Planung

Namen und persönliche Details sind zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Du funktionierst seit Jahren und fragst dich, wann endlich Zeit fürs Leben bleibt?

Deine Geschichte ist eine andere als die von Stefan und Julia. Die Fragen sind oft dieselben. Lass uns in Ruhe drüber sprechen.

Rund 60 Minuten. Du musst nichts vorbereiten, nichts entscheiden, und es folgt kein Anruf hinterher.

Matthias Hawe

Die ersten zwölf Wochen nach dem Erbe.

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