Das Geld darf erstmal liegen bleiben
Nach einem Erbfall drängen alle zur schnellen Entscheidung. Ich nicht.
Nach einem Erbfall drängen alle zur schnellen Entscheidung. Ich nicht.
Es ist der häufigste Rat, den Erben hören: Lass das Geld nicht rumliegen, das frisst die Inflation auf.
Der Satz stimmt rechnerisch. Als Rat taugt er trotzdem wenig.
Nehmen wir an, es liegen 400.000 Euro auf dem Konto. Bei zwei Prozent Inflation verlieren sie in einem Jahr rund 8.000 Euro an Kaufkraft. Das ist viel Geld, keine Frage.
Jetzt nimm an, du entscheidest dich unter Druck falsch. Du kaufst die Wohnung, zu der dir alle geraten haben, und merkst nach drei Jahren, dass ihr da nicht leben wollt. Oder du legst alles in einem Rutsch an, der Markt fällt, und du verkaufst im schlechtesten Moment, weil du es nicht aushältst.
Der Fehler kostet nicht 8.000 Euro. Er kostet ein Vielfaches — und Jahre.
Das ist Biologie. Trauer verengt den Blick. Du denkst kurzfristiger, du weichst Risiko stärker aus als sonst, und du bist anfälliger für den, der gerade am selbstbewusstesten auftritt.
Dazu kommt: In den ersten Monaten meldet sich einiges von allein. Die Bank, bei der das Depot liegt. Der Makler, der von irgendwoher weiß, dass ein Haus im Nachlass ist. Wer in dieser Phase entscheidet, entscheidet selten in Ruhe.
Warten heißt nicht nichts tun. Eine Uhr läuft, ob du willst oder nicht: die Formalien. Nachlassgericht, Anzeige beim Finanzamt, Umschreibung bei den Banken. Fristen, die niemand verschiebt.
Diese Uhr ignorierst du nicht. Die zweite Uhr — was wird aus dem Geld — darf dagegen stehen bleiben, so lange du brauchst.
Genau diesen Unterschied macht kaum jemand. Es wird alles in einen Topf geworfen, und weil die Fristen drängen, fühlt es sich an, als müsste auch die Anlageentscheidung sofort fallen. Muss sie nicht.
Ein Jahr ist normal. Zwei sind es auch noch, wenn in der Zeit die Formalien laufen und du dir über das Wesentliche klar wirst.
Kritisch wird es, wenn aus Warten Ausweichen wird. Das erkennst du an einem Zeichen: Du denkst nicht mehr über das Geld nach, du gehst dem Gedanken aus dem Weg. Dann ist es keine Ruhephase mehr, sondern eine Blockade — und die löst sich nicht von selbst.
Wie das bei dir aussieht, schauen wir uns gemeinsam an. In Ruhe und ohne dass danach was passieren muss.
Rund 60 Minuten. Du musst nichts vorbereiten, nichts entscheiden, und es folgt kein Anruf hinterher.

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