Wissen
Was gebt ihr wirklich aus?
Der 4-Wochen-Selbsttest – und warum eure Ausgaben die Basis für jede Finanzplanung sind.
Die meisten haben keine Ahnung
Das ist keine Beleidigung – das ist eine Tatsache. Studien zeigen: Rund 60 % der Deutschen können ihre monatlichen Ausgaben nicht mit 20 % Genauigkeit benennen.
Warum? Weil Geld unsichtbar geworden ist. Lastschriften, Abos, Kartenzahlungen – alles läuft automatisch. Ihr merkt nicht, was rausgeht, weil ihr es nie in der Hand hattet.
In meiner Beratung frage ich: „Was gebt ihr im Monat aus?“ Die Antwort ist fast immer eine runde Zahl: „5.000“, „6.000“, „so 5.500 ungefähr.“ Dann rechnen wir. Und die tatsächliche Zahl ist in 80 % der Fälle 15–30 % höher.
Nicht weil die Leute lügen. Sondern weil sie die unsichtbaren Ausgaben nicht zählen: Quartalsrechnungen, Versicherungen die halbjährlich abgehen, Amazon-Bestellungen die einzeln klein, aber in Summe groß sind.
Und das ist der Punkt: Wie wollt ihr planen, wenn ihr nicht wisst, was ihr braucht?
Die 5-Minuten-Methode
Bevor ihr euch in Excel-Tabellen oder Haushaltsbuch-Apps verliert – fangt hier an. Eine grobe Annäherung in fünf Minuten:
Das ist nicht genau. Aber es ist besser als „keine Ahnung“. Und es dauert 5 Minuten.
Wenn euch das Ergebnis überrascht – gut. Dann wisst ihr, warum der nächste Schritt sich lohnt.
Arbeitsblatt: Einnahmen, Ausgaben & Finanzübersicht
Eine Excel-Vorlage mit 12-Monats-Übersicht, Kategorien, Formeln und einer Vermögensbilanz – alles auf einen Blick.
XLSX-Format – keine Makros möglich, für maximale Sicherheit.
Excel herunterladenDer 4-Wochen-Test
Kein Budget-Planer, keine Tabelle, keine Kategorien. Nur eine einfache Übung:
- Woche 1–4: Notiert jede Ausgabe über 20 € in der Notizen-App eures Handys. Ja, die reicht völlig.
- Kein System nötig: Einfach: Was, wie viel, wann. Mehr nicht.
- Kein Perfektionismus: Ihr vergesst mal was? Egal. 80 % reichen.
- Nach 4 Wochen: Schaut euch die Liste an und gruppiert sie selbst. Wohnen, Essen, Mobilität, Sonstiges – eure Kategorien, nicht die einer App.
Ihr werdet Muster sehen, die euch überraschen.
Was euch eure Ausgaben über euch selbst verraten
Ausgaben sind nie nur Zahlen. Sie sind ein Spiegel. Was ich in der Beratung sehe:
Stressausgaben
Mandant:innen, die in stressigen Phasen mehr bei Amazon bestellen. Nicht weil sie etwas brauchen, sondern weil das Paket ein kurzes Glücksgefühl auslöst. Das ist kein Konsumproblem – das ist ein Stressproblem, das sich finanziell ausdrückt.
Kompensationsausgaben
Der Partner, der weniger verdient und dafür bei Einladungen immer die Rechnung übernimmt. Oder die Familie, die sich die Reise eigentlich nicht leisten kann, aber bucht, weil „die Kinder sollen es mal besser haben.“ Hinter der Ausgabe steckt eine Emotion – und die muss man sehen, um sie zu ändern.
Was euch eure Ausgaben über euch selbst verraten
BMW statt VW. Bio statt konventionell. Marke statt No-Name – nicht alles davon ist falsch. Die Frage ist nur: Steht dahinter ein Wert, der euch wichtig ist? Oder eine Gewohnheit, über die ihr noch nie nachgedacht habt?
Eure Ausgaben sollten eure Werte widerspiegeln. Gesundheit, Zeit mit der Familie, Unabhängigkeit – was auch immer es für euch ist. Wenn ihr das einmal klar habt, sortiert sich vieles von selbst. Nicht weil ihr verzichtet, sondern weil ihr wisst, wofür.
Drei Erkenntnisse, die fast alle haben
1. Der Abo-Friedhof
Streaming, Fitness, Apps, Magazine – Abos, die irgendwann mal Sinn ergeben haben und jetzt vergessen weiterlaufen.
Ich hatte ein Paar, das 340 € im Monat in Abos zahlte. Beide wussten es nicht. Weil: jedes einzelne Abo war „ja nur“ 9,99 oder 14,99. „Nur“ mal 34 ergibt 340. Das sind 4.080 € im Jahr. In 20 Jahren bei 6 % Anlage: über 150.000 €. Das ist kein Kaffeegeld – das ist eine kleine, vermietete Eigentumswohnung.
2. Lifestyle-Inflation
Euer Einkommen ist in den letzten fünf Jahren um 30 % gestiegen? Dann sind eure Ausgaben wahrscheinlich um 35 % gestiegen. Größere Wohnung, besseres Auto, öfter Essen gehen – schleichend, unmerklich.
Der gefährlichste Satz: „Wir verdienen ja jetzt mehr.“ Ja. Und ausgebt auch. Ich nenne das die goldene Tretmühle: Mehr verdienen, mehr ausgeben, gleich viel übrig. Das Hamsterrad dreht sich schneller – aber ihr kommt nicht weiter.
3. Die Verschiebungs-Illusion
„Wir fangen nächstes Jahr an zu sparen, wenn die Gehaltserhöhung kommt.“
Kommt die Erhöhung, sind die Ausgaben schon angepasst. Nächstes Jahr wird zum Jahr danach. Ich habe Mandant:innen, die diesen Satz 8 Jahre lang gesagt haben.
Warum das die Basis für alles ist
Eure Ausgaben zu kennen ist die Grundlage für euer jetziges Leben und für euer künftiges. Wie viel ihr sparen könnt, wie viel Puffer ihr braucht, was eine Immobilie für euren Alltag bedeutet – alles hängt davon ab.
Auch die Ruhestandsplanung steht und fällt damit, dass ihr zumindest eine grobe Idee habt, was ihr ausgebt. Die 70 %-Regel – „im Ruhestand braucht ihr 70 % eures letzten Nettoeinkommens“ – ist fast immer falsch. Manche brauchen 60 %, manche 90 %. Es kommt auf euer Leben an, nicht auf eine Faustformel.
Die richtige Rechnung:
- Eure tatsächlichen Ausgaben
- − Kosten, die im Ruhestand wegfallen (Pendeln, Berufskleidung, ...)
- + Kosten, die dazukommen (Reisen, Hobbys, Gesundheit, ...)
- = Euer echter Bedarf
Eure echten Zahlen sind die einzige Grundlage, auf der sich planen lässt. Alles andere ist Raten.
Klarheit über Ausgaben ist der Startpunkt
Die meisten scheitern nicht am Sparen. Sondern daran, dass sie nicht wissen, was sie brauchen. Klarheit über eure Ausgaben ist der Startpunkt für alles andere – Geldanlage, Ruhestand, Immobilie.