Altersvorsorgedepot 2027: Alle Fakten erklärt
Was ist das AVD, wie funktioniert die Förderung, was bringt es dir konkret – plus ein einfacher Rechner zum Ausprobieren.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot – kurz AVD – ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für deine private Altersvorsorge. Es löst ab 1. Januar 2027 die Riester-Rente als Fördermodell ab1.
Der große Unterschied zu Riester: Du kannst im AVD direkt in ETFs und Fonds sparen, ohne teuren Versicherungsmantel drumherum. Du hast die Wahl zwischen verschiedenen Produkten – mit oder ohne Garantie, bei verschiedenen Anbietern. Und im Ruhestand bist du nicht gezwungen, dein Erspartes zu verrenten, sondern kannst auch einen Auszahlplan bis mindestens 85 wählen2.
Neue Verträge können ab dem 1. Januar 2027 abgeschlossen werden. Der Bundestag hat das Gesetz am 27. März 2026 beschlossen; der Bundesrat muss noch zustimmen1.
Die Eckpunkte auf einen Blick
Wie funktioniert die Grundzulage?
Die Grundzulage ist das Geld, das der Staat dir direkt aufs Depot legt, zusätzlich zu deinem eigenen Beitrag. Sie wird beitragsproportional berechnet – das heißt: Je mehr du selbst einzahlst, desto mehr bekommst du dazu. Aber in Stufen3:
- Stufe 1: Auf die ersten 360 € Eigenbeitrag pro Jahr bekommst du 50 % Zulage – also maximal 180 €.
- Stufe 2: Auf jeden weiteren Euro zwischen 361 € und 1.800 € bekommst du nochmal 25 % Zulage – also maximal weitere 360 €.
- In Summe: Bei einem Eigenbeitrag von 1.800 € im Jahr bekommst du die volle Grundzulage von 540 €.
Wichtig: Mindestens 120 € pro Jahr musst du einzahlen, sonst bekommst du keine Zulagen3. Das entspricht 10 € im Monat. Alles unter diesem Sockel ist für die Förderung wertlos.
Wie funktioniert die Kinderzulage?
Für jedes Kind, für das du Kindergeld bekommst, gibt es zusätzlich bis zu 300 € Kinderzulage pro Jahr4.
Die Regel ist vereinfacht worden: Die Kinderzulage gibt es jetzt unabhängig davon, wann das Kind geboren wurde. Bei alten Riester-Verträgen war das noch gestaffelt (185 € oder 300 € je nach Geburtsjahr), das fällt jetzt weg.
Damit du die volle Kinderzulage bekommst, muss dein Gesamteigenbeitrag so hoch sein, dass sowohl die Grund- als auch die Kinderzulage „trägt“. Je geringer dein Eigenbeitrag, desto geringer fällt auch die Kinderzulage anteilig aus. Wer 1.800 € einzahlt, bekommt die volle Kinderzulage für alle Kinder.
Der Steuervorteil und die Günstigerprüfung
Neben den direkten Zulagen gibt es einen zweiten Förderweg: den Sonderausgabenabzug. Du kannst deinen Eigenbeitrag (bis 1.800 €) plus die Zulagen in deiner Steuererklärung als Sonderausgaben angeben4.
Beispiel laut Bundesfinanzministerium: Ohne mittelbar zulageberechtigten Ehegatten und ohne Kinder sind bei vollem Eigenbeitrag von 1.800 € und einer Grundzulage von 540 € insgesamt 2.340 € als Sonderausgaben absetzbar.
Und jetzt kommt die Günstigerprüfung
Du bekommst nicht beides voll – also Zulage plus Steuervorteil. Das wäre doppelt. Stattdessen prüft das Finanzamt automatisch, was für dich besser ist:
- Entweder die direkt ausgezahlten Zulagen
- Oder der rechnerische Steuervorteil (Sonderausgabenabzug × dein Grenzsteuersatz)
Wenn der Steuervorteil größer ist als die Zulagen, bekommst du die Differenz als zusätzliche Steuererstattung auf dein Konto. Wenn die Zulagen größer sind, bleibt es bei den Zulagen.
Faustregel: Bei niedrigem Einkommen und vielen Kindern sind meist die Zulagen der größere Hebel. Bei hohem Einkommen (Grenzsteuersatz über ca. 30 %) wird der Steuervorteil relevanter.
Rechner: Deine Förderung fürs Altersvorsorgedepot
Trage deinen geplanten Eigenbeitrag, deine Kinderzahl und deinen ungefähren Grenzsteuersatz ein. Der Rechner zeigt dir dann:
- Wie hoch deine Grundzulage und Kinderzulage ausfällt
- Was der theoretische Steuervorteil durch den Sonderausgabenabzug wäre
- Was nach der Günstigerprüfung tatsächlich in deiner Tasche landet
Max. 1.800 € pro Jahr. Mindestens 120 € pro Jahr (= 10 €/Monat), sonst keine Zulagen.
300 € Zulage pro Kind pro Jahr.
„zvE“ = zu versteuerndes Einkommen (nicht Brutto). Findest du auf deinem letzten Steuerbescheid. Für Paare gilt das gemeinsam veranlagte Einkommen.
Dein Fördervorteil pro Jahr
nach Günstigerprüfung (Zulage vs. Steuervorteil)
Direkt aufs Depot
Grundzulage + Kinderzulage
Auf dein Konto
Zusätzliche Steuererstattung
Rechenweg im Detail
Die Auszahlphase: Rente oder Auszahlplan
Einer der wichtigsten Fortschritte im AVD ist die Flexibilität in der Auszahlphase2. Du hast drei Optionen:
- Lebenslange Rente: Du bekommst monatlich einen festen Betrag bis zum Lebensende. Teuer wegen der Langlebigkeitsversicherung, aber kalkulierbar.
- Auszahlplan bis mindestens 85: Du legst fest, wie viel du jeden Monat bekommst. Der Plan läuft bis mindestens zum 85. Lebensjahr. Was dann übrig ist, kann weiter ausgezahlt werden.
- Einmalauszahlung (bis 30 %): Du darfst dir einen Teil als Einmalbetrag auszahlen lassen.
Der Auszahlplan ist die eigentliche Revolution. Bei Riester war man zur Verrentung gezwungen – und das oft zu Konditionen, bei denen man laut Finanzwende 99 Jahre alt werden müsste, um das Eingezahlte real zurückzubekommen5. Diese Zwangs-Verrentung fällt jetzt weg.
Und was ist mit der Anlagestrategie in der Auszahlphase?
Eine häufig gestellte Frage: Wenn ich während des Ansparens in Aktien-ETFs gespart habe – kann ich die in der Auszahlphase in etwas Sichereres umschichten? Zum Beispiel in Anleihen oder Geldmarkt?
Ja, das geht. Und zwar sogar ohne Steuer auf Kursgewinne, solange das Geld innerhalb des AVD bleibt. Umschichtungen im AVD sind während der gesamten Laufzeit – Anspar- und Auszahlphase – steuerlich neutral. Das heißt: Keine Abgeltungsteuer, keine Vorabpauschale, kein Soli beim Wechsel zwischen zulässigen Anlagen.
In der Praxis läuft das je nach Produktvariante unterschiedlich:
- Freies AVD (ohne Standarddepot): Du entscheidest selbst, wann und wie du umschichtest. Volle Kontrolle, volle Verantwortung.
- Standarddepot mit Lifecycle-Modell: Die Aktienquote wird automatisch reduziert, je näher du dem Rentenalter kommst. Das heißt: Umschichten erledigt das Produkt für dich, du musst nichts tun. Dafür hast du auch weniger Mitsprache.
- In der Auszahlphase selbst: Viele Anbieter bieten an, dass ein Teil weiterhin investiert bleibt (z. B. in defensiveren Fonds), während du monatlich Auszahlungen bekommst. So arbeitet ein Teil deines Geldes noch, während du schon davon lebst.
Das ist ein echter Vorteil gegenüber einem normalen Broker-Depot: Dort löst jede Umschichtung Abgeltungsteuer auf Kursgewinne aus. Im AVD nicht. Bei großen Vermögen und langen Laufzeiten macht das einen spürbaren Unterschied.
Was heißt das für dich?
Die Förderung vom AVD ist je nach Situation unterschiedlich stark:
Geringes Einkommen, viele Kinder
Die Zulagen sind für dich meist der größte Hebel. Jeder Euro, den du einzahlst, wird direkt um einen festen Prozentsatz aufgestockt – das ist eine sehr hohe „Förderquote“. Wenn du Kinder hast, umso mehr.
Mittleres Einkommen
Die Zulagen sind ordentlich, der Steuervorteil kommt oben drauf. Beides zusammen macht das AVD zu einer sinnvollen Ergänzung deiner Altersvorsorge – wenn die Kosten des Produkts passen.
Hohes Einkommen (Spitzensteuersatz)
Der Hebel verschiebt sich auf den Steuervorteil. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % bringt der Sonderausgabenabzug den Großteil der Förderung. Die Zulagen sind dann fast nebensächlich. Gleichzeitig ist der Gesamtbetrag relativ zum Vermögen gering – das AVD ist für Besserverdiener ein Baustein, keine tragende Säule.
Eine differenzierte kritische Einordnung zum AVD (Kosten, Fallstricke, Varianten-Dschungel) findest du in meinem Beitrag „Altersvorsorgedepot ab 2027: Warum es kein Selbstläufer ist“.
Disclaimer & wichtige Hinweise
Keine Beratung. Dieser Beitrag und der enthaltene Rechner sind ausschließlich zu Informationszwecken gedacht. Sie stellen keine individuelle Finanz-, Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar und ersetzen eine solche auch nicht.
Rechner ist eine vereinfachte Schätzung. Die im Rechner angewandten Formeln basieren auf dem aktuellen Stand des Altersvorsorgereformgesetzes (Stand April 2026). Einzelne Regelungen können sich in der konkreten Umsetzung noch ändern oder im Einzelfall anders ausgelegt werden.
Nicht berücksichtigt werden: Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag, mittelbare Zulageberechtigung des Ehepartners, weitere Sonderausgaben, Werbungskosten, andere individuelle steuerliche Besonderheiten, die konkreten Produktkosten des gewählten AVD-Anbieters und die Rendite der Anlage.
Grenzsteuersatz. Der im Rechner verwendete Grenzsteuersatz ist eine grobe Richtgröße. Dein tatsächlicher Grenzsteuersatz ergibt sich aus deiner individuellen Steuererklärung und kann abweichen. Für genaue Werte bitte den Einkommensteuerbescheid oder einen Steuerberater konsultieren.
Endgültige Festsetzung. Die tatsächliche Höhe deiner Zulagen und des Steuervorteils bestimmt das zuständige Finanzamt. Abweichungen zur Schätzung dieses Rechners sind möglich.
Keine Haftung. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen und des Rechners. Für Entscheidungen, die du auf Grundlage dieses Beitrags triffst, übernehme ich keine Haftung.
Empfehlung. Bevor du eine konkrete Entscheidung über ein Altersvorsorgedepot triffst, laß dich individuell beraten – idealerweise von jemandem, der kein Provisionsinteresse am Abschluss eines bestimmten Produkts hat.
Quellen & weiterführende Informationen
Alle Zahlen und Regelungen in diesem Beitrag sind mit den folgenden Quellen abgeglichen. Die Nummern im Text verweisen auf diese Liste:
- Deutscher Bundestag – Bundestag beschließt das Altersvorsorgedepot (27.03.2026)
- Bundesregierung – Fragen und Antworten: Private Altersvorsorge reformiert (Auszahlphase, Verrentungszwang)
- finanzfacts.de – Altersvorsorgedepot 2027: Zulage bis 540 € + ETF-Sparplan (Grundzulage-Staffelung, 120 € Mindestbeitrag)
- Bundesfinanzministerium – FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge (Kinderzulage, Sonderausgabenabzug)
- Finanzwende – Kosten von Riester-Verträgen (Rentenfaktor-Analyse, 99 Jahre)
- Finanztip – Altersvorsorgedepot: Funktionsweise, Förderung & Unterschiede
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