Er durfte es nicht ausgeben.Gesagt hatte das niemand.
Martin hat von seinen Eltern eine größere Summe geschenkt bekommen. Danach lag das Geld anderthalb Jahre auf dem Konto, weil er sich nicht traute, etwas damit zu machen.
Martin hat von seinen Eltern eine größere Summe geschenkt bekommen. Danach lag das Geld anderthalb Jahre auf dem Konto, weil er sich nicht traute, etwas damit zu machen.
Anfang dreißig, Personalentwickler in einem Maschinenbaubetrieb bei Stuttgart. Eines von vier Kindern, keine eigenen, dafür Patenonkel mit Leidenschaft. Und seit anderthalb Jahren 160.000 Euro auf einem Konto, das er nicht anfasst.
Das Geld haben ihm seine Eltern zu Lebzeiten geschenkt. Mit allem, was daran hängt: Die Eltern leben, und sie sehen, was damit passiert.
Zu Hause galten Fleiß und Eigenverantwortung. Geld ist zum Aufbauen da. Diesen Satz hat ihm nie jemand gesagt. Gehört hat er ihn trotzdem. Tag ein, Tag aus.
Dabei gab es einen Wunsch. Tief und verborgen. Den Gedanken hatte er seit Jahren. Ausgesprochen hatte er ihn nie, nicht mal vor sich selbst.
„Ich weiß ja, dass es mein Geld ist. Aber wenn ich mir davon etwas kaufe, das einfach nur schön ist und nicht nützlich oder vernünftig, fühlt sich das falsch an.“
Was er gesucht hat, war die Erlaubnis. Dass er davon auch was für sich haben darf, ohne schlechtes Gewissen.
Mit einer Reihenfolge.
Bevor wir eine Zahl angefasst haben, ging es um seine Werte. Zwei kamen dabei heraus: Freiheit und Sicherheit. Seine eigene Formulierung für Freiheit war, beim Essengehen nicht überlegen zu müssen, ob der dritte Cocktail noch drin ist.
In dem Gespräch hat er seinen Wunsch zum ersten Mal laut gesagt: eine zweite Wohnung in Hamburg, ein paar Monate im Jahr. Und auch erst, als ich ein paarmal nachgefragt habe. Vorher hat er ihn immer als Kleinigkeit abgetan: „Passt schon, nicht so wichtig.“ Das war der eigentliche Schritt an dem Tag.
Ruhestandsplanung, Risikoprofil, Ausgaben. Danach stand die Aufteilung: 120.000 Euro langfristig für die Altersvorsorge, 65.000 Euro mittelfristig verfügbar, dazu eine Reserve auf dem Tagesgeld.
Am wichtigsten war ihm die Linie: Bis hierhin ist es Geld, das du brauchst. Alles darüber ist Geld, über das du verfügen darfst.
Zwei Depots mit unterschiedlicher Aktienquote, breit gestreut und angelegt, ohne auf Prognosen zu setzen. Wir haben beide die Demut zu wissen, dass wir nichts wissen. Schon gar nicht über die Zukunft. Bei einem der Verträge ist sein Vater als versicherte Person eingetragen. Eine Gestaltung, die ihm hilft, einen Teil der Anlage in etwa 20 bis 30 Jahren steuerfrei ausgezahlt zu bekommen.
Das kam als Letztes.
Zwei Monate nachdem die Struktur stand, erzählte er beiläufig, er habe sich eine neue Couch gekauft. Und ein paar Wochen in Hamburg verbracht.
Bezahlt hat er beides aus dem laufenden Einkommen, so wie immer. Neu war nur: Er hat sich dabei nicht gefragt, ob er grad was falsch macht. Weil fürs Alter gesorgt war, durfte er sich heute auch mal was gönnen.
Die Erlaubnis kam aus der Rechnung. Als schwarz auf weiß dastand, dass die Altersvorsorge gedeckt ist, war der Rest sein Geld. Vorher war alles der Rest.
Anderthalb Jahre später sieht sein Leben anders aus, als der Hamburg-Wunsch es vorgezeichnet hatte.
Im Herbst kam die Idee, ein Jahr später im Ausland zu studieren. Wir haben ausgerechnet, was das kostet und wo er das Geld bis dahin parkt. Danach war es ein Plan.
Im Frühjahr stand ein Job in den Staaten im Raum, ein Jahr auf Zeit. Ein Bekannter aus der Beratungsbranche riet ihm ab, das sei ein Bruch im Lebenslauf. Er hat es trotzdem gemacht.
Zwischendurch lagen zwei Eigentumswohnungen als Kapitalanlage auf dem Tisch, beide durchgerechnet. Er hat sich dagegen entschieden, weil ihm Beweglichkeit in dieser Lebensphase mehr wert war.
Das geschenkte Geld liegt bis heute fast unangetastet. Verändert hat es trotzdem alles, weil er seitdem weiß, dass er dürfte.
Ich habe gerechnet, was jede Möglichkeit bedeutet. Ich habe zugehört, als es um die Prägung ging, die hinter der Blockade steckte. Und ich war da, als im Sommer darauf die Nachrichtenlage ihn so verunsichert hat, dass er am Investieren zweifelte.
Ob er sich Hamburg gönnt, habe ich ihm überlassen, ohne zu- oder abzuraten. Das musste seine Entscheidung sein.
Bei geschenktem Geld liegt das Schwierige in einer Frage: Darf man davon das eigene Leben bezahlen, während die, von denen es kommt, daneben stehen und zuschauen? Und es vielleicht auch bewerten?
Alle Details wurden verändert, um die Privatsphäre des Mandanten zu schützen. Der Verlauf, die Wendepunkte und die Sätze sind echt.
Deine Geschichte ist eine andere als die von Martin. Die Fragen sind oft dieselben. Lass uns in Ruhe drüber sprechen.
Rund 60 Minuten. Du musst nichts vorbereiten, nichts entscheiden, und es folgt kein Anruf hinterher.

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